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Wie viel Lehrerfahrung wird für eine Berufung vorausgesetzt?

Wie viel Lehrerfahrung wird für eine Berufung vorausgesetzt?© Lisa Klumpp - iStockphoto.com

Ich bin promoviert (Neuere deutsche Literaturwissenschaften), habe aber kein Staatsexamen und möchte an der Uni Literaturwissenschaft oder Literaturdidaktik unterrichten (Studienrätin im Hochschuldienst, Lehrbeauftragte für besondere Aufgaben oder Akademische Rätin als Lehrbeauftragte).

In fast allen Stellenangeboten taucht als Voraussetzung auf: "einjährige hauptberufliche Lehrerfahrung". Was ist die genaue Definition dafür? Reichen an der Universität z.B. 2 Seminare und 2 Tutorien pro Semester mit insgesamt je 8 SWS als Lehraufträge oder muss es eine Festanstellung sein?

Wie sieht es an der Schule mit einem Lehrauftrag für ein Jahr auf Honorarbasis aus? Und wieviele Stunden pro Woche müssten es sein? Ist der Schultyp egal? Braucht man die Promotion UND das Staatsexamen UND die Lehrerfahrung oder reicht die Promotion mit Lehrerfahrung von einem Jahr?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Beim Stellenprofil von beamteten oder angestellten Positionen in der Hochschule ist zwischen den gesetzlichen und den sonstigen Einstellungsvoraussetzung zu differenzieren. Darüber hinaus muß nach Maßgabe der jeweiligen Stellenkategorie differenziert werden.

Nach Maßgabe des Hochschulrahmengesetzes, das von den Ländern mit wenigen Veränderungen inhaltsgleich übernommen worden ist, kann - unterhalb der Professorenebene - als Juniorprofessorin eingestellt werden, wer neben den allgemeinen beamtenrechtlichen Voraussetzungen (z.B. gesundheitliche Tauglichkeit) ein abgeschlossenes Hochschulstudium, pädagogische Eignung und besondere Befähigung zur wissenschaftlichen Arbeit (in der Regel durch eine Promotion) nachweisen kann. Handelt es sich um eine Juniorprofessur mit erziehungswissenschaftlichen oder fachdidaktischen Aufgaben in der Lehrerbildung soll nur berufen werden, wer eine dreijährige Schulpraxis nachweist. Aus der Formulierung "soll" ergibt sich schon, daß es davon Ausnahmen geben kann. In der Praxis hat sich das Regel-Ausnahmeverhältnis sogar umgekehrt. Andererseits hat ein Bewerber, der eine dreijährige Schulpraxis nachweist, sicherlich bessere Einstellungsvor-aussetzungen als ein Bewerber mit einer kürzeren Schulpraxis.

Sozusagen eine Etage tiefer finden sich die Einstellungsvoraussetzungen für wissenschaftliche Mitarbeiter. Wissenschaftliche Mitarbeiterin kann werden, wer neben den allgemeinen dienstrechtlichen Voraussetzungen ein abgeschlossenes Hochschulstudium aufweist. Zu den wissenschaftlichen Mitarbeitern gehören auch die Akademischen Räte.

Die nächste Stufe ist der Lehrbeauftragte. Er kann nach Maßgabe der gesetzlichen Vorgabe im Rahmen eines Dienstverhältnisses sui generis von der Hochschule eingestellt werden, wenn dies zur Sicherstellung des Lehrangebotes notwendig ist und der Lehrauftrag in seiner Person Gewähr dafür bietet, daß die übertragenen Lehraufgaben in qualifizierter und selbständiger Weise wahrgenommen werden können.

Die letzte Stufe sind sog. Lehrkräfte für besondere Aufgaben. Ihnen ist die Vermittlung praktischer Fertigkeiten und Kenntnisse übertragen. Eine typische Lehrkraft für besondere Aufgaben ist eine Studienrätin im Hochschuldienst.

Aus alldem folgt, daß nach Maßgabe des Hochschulrahmengesetzes eine einjährige hauptberufliche Lehrerfahrung keine gesetzliche Einstellungsvoraussetzung ist, wenn man von der Einstellung als Juniorprofessorin absieht. Gleichwohl kann natürlich jede ausschreibende Hochschule jenseits der gesetzlichen Voraussetzungen weitere Qualifikationsmerkmale fordern. Andererseits ergibt sich daraus auch, daß die Interpretation, was unter einer hauptberuflichen Lehrerfahrung zu verstehen ist, nicht verbindlich sein kann, sondern dem Qualitätsermessensspielraum der Einstellungsbehörde unterliegt. Dies gilt zumindest für das Kriterium "Lehrerfahrung". Hier können sowohl Lehrerfahrungen in der Hochschule als auch in der Schule gemeint sein.

Lehrerfahrung kann ggf. auch in der Weiterbildung erworben werden. Ein Acht-Semesterwochenstunden umfassender Lehrauftrag würde angesichts eines Lehrdeputats von Neun-Semesterwochenstunden für Universitätsprofessoren aus unserer Sicht in jedem Falle ausreichen, um Lehrerfahrung nachzuweisen.

Etwas weniger Interpretationsspielraum läßt das Kriterium "hauptberuflich". Darunter versteht man eine Tätigkeit, die zumindest mehr als die Hälfte der beruflichen Tätigkeit ausmacht. Dabei muß man aber nicht immer den Maßstab der 40-Stunden-Woche anlegen. Wer keiner anderen Beschäftigung nachgeht als einem Lehrauftrag, der übt diesen hauptberuflich aus.

Letztlich kommt es bei diesen - außerhalb des Gesetzes stehenden - Kriterien aber vornehmlich auf die Einschätzung der einstellenden Fakultät an.
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