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Wirbel um Graduate Center in Mainz

 

Die Universität Mainz und die Max-Plack-Gesellschaft entfachen eine Debatte zur Teilbarkeit oder Teilübertragbarkeit des Promotionsrechts. Durch die Schaffung eines Graduate Centers in Form einer GmbH wäre erstmals eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung an der Gestaltung von Promotionsverfahren beteiligt.

Wirbel um Graduate Center in Mainz© Universität MainzDer Eingang der Universität Mainz
Für erhebliches Aufsehen haben Berichte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und von Forschung & Lehre (F&L 1/2008) gesorgt, wonach die Universität Mainz und die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) planen, eine gemeinsame GmbH zu gründen, die das Promotionsrecht erhält. Während die Universität Mainz bereits im November dem Vorhaben zugestimmt hat, soll die Entscheidung bei der MPG am 14. März fallen. Die Vertreter der Hochschulrektorenkonferenz und der Deutschen Forschungsgemeinschaft haben sich gegen das Mainzer Modell ausgesprochen und das exklusive Promotionsrecht der Universitäten bekräftigt.

Als "definitiv falsch" haben das rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerium und die Universität Mainz in einer gemeinsamen Erklärung vom 7. Januar 2008 die Behauptungen zurückgewiesen, in Mainz versuche die MPG das Promotionsrecht zu erlangen. Richtig sei vielmehr, dass Rheinland- Pfalz eine "noch engere Zusammenarbeit" der universitären und außeruniversitären Graduiertenausbildung anstrebe.

Bei dem geplanten Graduate Center gehe es nicht um eine Übertragung des Promotionsrechts auf eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung. "Das Center solle vielmehr vermittels der Teilhabe der Universität das Promotionsrecht besitzen." Durch "geeignete Vereinbarungen" werde sichergestellt, dass innerhalb des Graduate Centers keine Entscheidungen gegen die Meinung der Universität gefällt werden können. Auf diese Weise gehe der Universität das Promotionsrecht nicht verloren, gleichzeitig seien die Partner des beteiligten Max-Planck Instituts "erstmals gleichberechtigt" an der Gestaltung des Promotionsverfahrens beteiligt. Die Auswahl der beteiligten Wissenschaftler erfolge nach klaren Qualitätskriterien hinsichtlich der individuellen Forschungsleistung.

Der Präsident der MPG, Professor Peter Gruss, sagte gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am 14. Januar 2008: "Wir brechen nicht ein in eine Domäne, die die Universität für sich reklamiert, nämlich die Ausbildung bis hin zur Promotion. Das Prinzip, dass es keine Promotion ohne Universität gibt, bleibt auch im Graduate Center Mainz bewahrt." Diese Formulierung läßt unterschiedliche Einflussmodelle der MPG bis hin zu einer beherrschenden Stellung zu.

Bundesforschungsministerin Schavan sagte gegenüber dem Berliner "Tagesspiegel", alle Kooperationen müssten aus der Wissenschaft heraus entwickelt werden und nicht aufgrund politischer Vorgaben. In Mainz hänge viel von Details ab. "Wenn klar ist, dass der Rektor der Universität unter der Promotionsurkunde steht, sehe ich kein Problem." Damit scheint sich der Streit auf die Frage zu konzentrieren, ob das Promotionsrecht teilbar oder teilübertragbar ist. Die Einzelheiten der Vereinbarung zwischen MPG und der Universität Mainz sind bislang unbekannt. Weder die Universität Mainz noch die MPG sind bereit, den Vertragsentwurf zu veröffentlichen. Der Senat der MPG wird am 14. März über die Vorlage entscheiden.

Unterdessen hat sich der Dachverein "Fakultätentage der Ingenieurwissenschaften und der Informatik an Universitäten" (4ING) "eindringlich" für eine Beibehaltung des ausschließlichen Promotionsrechtes durch die Universitäten ausgesprochen. Die Folgen, das Promotionsrecht auch anderen Institutionen zu gewähren, wären "gravierend", da damit automatisch die Forschung aus den Universitäten, wo sie bis heute überwiegend stattfinde, ausgegliedert würde. "Damit würden die Universitäten bezüglich der Forschung ausgetrocknet. Der Niedergang der Einheit von Forschung und Lehre an den Universitäten wäre vorprogrammiert", heißt es in einer Stellungnahme des Vereins. Der derzeitige "Zwang zur Zusammenarbeit" von Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen nütze beiden Seiten. Die Universitäten weiteten dadurch ihre Forschungsmöglichkeiten aus und die Forschungseinrichtungen gewännen mehr Flexibilität und stetigen Zugang zu jungen Talenten. Die 4ING sähen keinen Vorteil in der Gewährung des Promotionsrechtes an andere Einrichtungen. Auch die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) und die Konferenz der Fachbereiche Physik hatten unlängst vor einer Gewährung des Promotionsrechtes für außeruniversitäre Einrichtungen gewarnt.

Neun namhafte deutsche Naturwissenschaftler haben in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 8. Januar 2008 eine Neuorientierung der Grundlagenforschung gefordert. Sie sprechen sich dafür aus, Max-Planck-Institute (MPI) stärker in die Universitäten einzugliedern. Die Zweiteilung der Grundlagenforschung bringe erhebliche Nachteile für die Forschung und für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses mit sich.

MPI, "deren Forschungsaktivitäten parallel zu jenen an Universitäten laufen oder laufen könnten", sollen, so die Wissenschaftler, Universitätseinrichtungen werden - mit einem Sonderstatus, eigenem Budget und abgestuften Lehrverpflichtungen für die Mitglieder. Die Universitäten profitierten von einem Ausgliederungsstopp der Forschung, die Max-Planck-Institute von der Optimierung ihrer Bestenauswahl. Gegenüber dem Tagesspiegel verwies die Max-Planck-Gesellschaft auf die bisher zum gegenseitigen Nutzen praktizierte Kooperation mit Universitäten, etwa in Form der International Max Planck Research Schools. Eine Eingliederung der MPI in die Universitäten würde eine Stärke des deutschen Wissenschaftssystems beseitigen, ohne die Schwäche zu mildern.

Aus Forschung und Lehre :: Februar 2008

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