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Wissenschaftsminister von Baden-Württemberg: "Kombi-Lohn" für Professoren

 

Nicht konkurrenzfähig: so lautet das Schlagwort, wenn es um die Besoldung der Professoren in Deutschland geht. Baden-Württemberg will in Zukunft herausragende Wissenschaftler mit zusätzlichem Geld von Unternehmen anlocken.

Wissenschaftsminister von Baden-Württemberg: "Kombi-Lohn" für ProfessorenPeter Frankenberg, Wissenschaftsminister Baden-Württembergs
Forschung & Lehre: Allem Anschein nach ist es für deutsche (Exzellenz-) Universitäten schwierig, im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe zu bestehen. Sie wollen nun herausragende Wissenschaftler mit einem "Kombi- Lohn" nach Baden-Württemberg locken. Was planen Sie konkret?

Peter Frankenberg: Die Mittel des öffentlichen Haushalts sind begrenzt. Deshalb müssen neue Wege zur Stärkung der Konkurrenzfähigkeit der Hochschulen gefunden werden. Ich will, dass der Vergaberahmen für die Leistungsbezüge der Professoren durch private Drittmittel aufgestockt werden kann. Das heißt, Unternehmen können den Hochschulen künftig Geld für die Aufbesserung der Professorenbesoldung zur Verfügung stellen. Damit wären die Hochschulen in der Lage, den Professoren höhere Leistungsbezüge zu gewähren, als es bisher auf der Basis des Besoldungsdurchschnitts möglich ist. Der Begriff "Kombi-Lohn" ist in diesem Zusammenhang irreführend, da so herkömmlich die staatliche Lohnsubvention im Niedriglohnbereich bezeichnet wird.

F&L: Wann wird der erste Hochschullehrer diesen akademischen Kombi-Lohn erhalten?

Peter Frankenberg: Zunächst müssen die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen und eine entsprechende Regelung in das Landesbesoldungsgesetz aufgenommen werden. Die Leistungsbezügeverordnung muss ebenfalls entsprechend geändert werden. Nach dem derzeitigen Stand ist vorgesehen, dass das neue Landesbesoldungsgesetz im Frühjahr 2009 in Kraft tritt.

F&L: Ist das nicht eine Bankrotterklärung für die "leistungsorientierte W-Besoldung"?

Peter Frankenberg: Das System der W-Besoldung ermöglicht mit seinen Leistungselementen gerade, dieses neue Instrument einzuführen. Damit soll ein zusätzlicher Beitrag zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der baden-württembergischen Hochschulen geleistet werden. Bei einem Teil der Professoren übersteigt das Gehalt, das sie in der WBesoldung erzielen, bereits erheblich das für sie in der dienstaltersbezogenen C-Besoldung zu erzielende Einkommen.

F&L: Profitieren auch weniger marktgängige Fächer? Nach welchen Kriterien und Verfahren sollen diese aus privaten Mitteln gespeisten Zuschläge verteilt werden?

Peter Frankenberg: Inwieweit einzelne Fächer profitieren, kann man nicht vorhersagen. Allein die Hochschulen haben über die Vergabe der Leistungsbezüge zu entscheiden. Die bisher dafür geltenden rechtlichen Kriterien sowie die von den Hochschulen selbst erlassenen Regelungen sind weiterhin anzuwenden. Allerdings gilt für die Leistungsbezüge bislang grundsätzlich die Obergrenze in Höhe der Differenz zwischen den Grundgehältern der Besoldungsgruppen W 3 und B 10. Ausnahmen sind zugelassen, falls ein Professor aus dem Ausland oder der Wirtschaft gewonnen bzw. die Abwanderung dorthin verhindert werden soll oder er an seiner bisherigen Hochschule bereits höher besoldet ist. Meiner Meinung nach sollte die Grenze auch dann überschritten werden dürfen, wenn dies erforderlich ist, um Professoren von anderen deutschen Universitäten zu berufen oder die Abwanderung dahin zu verhindern. Auch wenn das bisherige Einkommen diese Grenze noch unterschreitet, darf das kein Hindernis für eine höhere Bezahlung sein.

F&L: Welche Schwierigkeit besteht bei der Einführung dieses neuen Instruments?

Peter Frankenberg: Zuerst muss die gesetzliche Regelung getroffen werden. Dann besteht die Herausforderung - insbesondere für die einzelnen Hochschulen - darin, geeignete Drittmittelgeber zu gewinnen.

F&L: Warum lässt sich das nicht mit der geltenden W-Besoldung bewirken?

Peter Frankenberg: Bereits bisher ist es zulässig, projektbezogene Forschungsund Lehrzulagen aus privaten Drittmitteln zu finanzieren. Mit der Neuregelung soll erreicht werden, dass die Besoldung aus privaten Drittmitteln auch unabhängig von konkreten Projekten erhöht werden kann.

Aus Forschung und Lehre :: August 2008

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