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Zeit für eigene wissenschaftliche Arbeit als Koordinator?

Seite bearbeiten: Hat man als Koordinator eines Sonderforschungsbereiches Zeit für eigene wissenschaftliche Arbeit? (NAV: 30513)© stock.xchng

Meine Anfrage ist gerichtet auf die 100%ige Anstellung zur Koordination eines geisteswissenschaftlichen Sonderforschungsbereiches.

Das Aufgaben- und Tätigkeitsprofil ist mir durchaus bewusst, ich kann jedoch überhaupt nicht einschätzen, ob ich neben der Koordination realistisch noch dazu käme, an meiner eigenen Qualifikationsschrift zu arbeiten. Können Sie mir Erfahrungswerte nennen, inwieweit Koordinatoren vom interdisziplinären Forschungsverbünden zu eigener wissenschaftlicher Arbeit gekommen sind und diese innerhalb ihrer Anstellung abgeschlossen haben. Woran liegt es, wenn die Zeit für die eigene Forschungsarbeit zu gering ist?

Darüber hinaus stellt sich mir die Frage, für welche berufsspezifischen Stellen ich mich weiterqualifizierte, arbeitete ich als Koordinatorin. Bedeutet nicht der Bereich 'Koordination von Wissenschaftlern', dass man selbst aus der eigenen Disziplin zunehmend ausscheidet, da man Profi im Koordinieren, nicht jedoch im eigenen Fach geworden ist?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Sofern Sie sich mit dem Gedanken tragen sollten, als Bereichs- bzw. Projektbereichskoordinatorin in einem Sonderforschungsbereich tätig zu werden, wird die Frage, ob Sie neben dieser Tätigkeit noch ausreichend Zeit dafür finden werden, an Ihrer eigenen Qualifikationsschrift zu arbeiten, wesentlich davon abhängen, wie der entsprechende Arbeitsvertrag als Bereichs- bzw. Projektbereichskoordinatorin ausgestaltet ist.

Sofern der Arbeitsvertrag vorsieht, dass 100 % der vereinbarten Arbeitszeit mit der Tätigkeit als Koordinatorin für den Sonderforschungsbereich ausgefüllt sein muss, wird sich innerhalb der zur Verfügung stehenden Arbeitszeit kaum die Möglichkeit ergeben, in einem nennenswerten Zeitumfang an der eigenen Qualifikationsschrift zu arbeiten. Leider können wir Ihnen keine Erfahrungswerte nennen, inwieweit andere Koordinatoren interdisziplinärer Forschungsverbände zu eigener wissenschaftlicher Arbeit gekommen sind und diese innerhalb ihrer Anstellung abgeschlossen haben.

Sollten Sie allerdings einen Arbeitsvertrag schließen, in welchem lediglich "auch" Koordinationstätigkeiten für einen Sonderforschungsbereich geschuldet sind, wird es möglich sein, auch den eigenen wissenschaftlichen Forschungsvorhaben Genüge zu tun. Dies wird insbesondere dann der Fall sein, wenn ein Arbeitsvertrag in einem Bundesland geschlossen wird, in dessen Hochschulgesetz geregelt ist, dass wissenschaftliche Mitarbeiter, welche Gelegenheit zu eigener wissenschaftlicher Qualifikation haben, ausreichend Freiraum (dies wird in der Regel etwa 30% der Arbeitszeit sein) für ihre wissenschaftliche Qualifikation einzuräumen ist.

Was Ihre Frage anbelangt, für welche berufsspezifischen Stellen Sie sich qualifizierten, sofern Sie als Bereichs- bzw. Projektbereichskoordinatorin in einem Sonderforschungsbereich tätig wären, so wird man konstatieren dürfen, dass zwar weniger eine forscherisch-wissenschaftliche Qualifizierung erreicht wird als vielmehr eine administrativ-wissenschaftliche Qualifizierung.
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