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Zwei Promotionsstellen - welche nehmen?

Zwei Promotionsstellen - welche nehmen?© Jan Will - iStockphoto.com

Nach der Abgabe meiner Magisterarbeit und meiner schriftlichen Prüfung bekam ich zwei Angebote von Professoren an meinem Institut. Die eine Stelle ist eine "klassische" Promotionsstelle (1/2 TVL13), die allerdings aus Studiengebühren finanziert ist und ist deshalb mit 6 SWS Lehre pro Semester verbunden. Die Finanzierung steht für die nächsten zwei Jahre, mein Professor, der gleichzeitig der Betreuer meiner Magisterarbet war, versicherte mir aber, dass sich zumindest ein drittes finanzieren ließe. Da er Geschäftsführer des Instituts ist, halte ich diese Zusage auch für realistisch.

Die zweite Stelle läuft über ein Exzellenz-Cluster in einem interdisziplinären Forschungskolleg mit acht weiteren Doktoranden aus unterschiedlichen Disziplinen (auch "klassisch" 1/2 TVL13 + HiWi-Vetrag), bei dem ich zu einem bestimmten, mir im Moment noch nicht geläufigen, Thema meine Dissertation schreiben würde. Das Thema interessiert mich aber trotzdem sehr. Bei dieser Stelle würde ich von einer Juniorprofessorin betreut werden, wäre aber nicht direkt am Lehrstuhl tätig und säße auch nicht am Insititut.

Für mich stellt sich nun die Frage, ob ich die Belastung der Lehrveranstaltungen auf mich nehmen soll, um die Nähe zum Institut zu erhalten und "mein" Thema zu bearbeiten oder ob ich die Exellenz-Cluster-Stelle annehmen soll, bei der ich thematisch eingeschränkt bin, einen "fachfremeden" Kollegenkreis habe, dafür aber mehr Freiheit im Zeitmanagement bekomme. Dazu muss gesagt werden, dass die Exellenz-Cluster-Stelle finanziell sehr gut ausgestattet ist und mir vieles an Forschungsreisen, Kongressbesuchen, etc. bieten würde. Da ich mich recht bald entscheiden muss, würde ich mich über eine baldige Antwort sehr freuen.

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Wir freuen uns, dass Sie sich zwischen zwei offenbar sehr gut geeigneten Stellen entscheiden können. Bei der Entscheidung kommt es sicherlich darauf an, welche Schwerpunkte Sie setzen. In manchen Konstellationen kann es entscheidend sein, wie lang die Stellen besetzbar sind. Eine finanzielle Sicherung über zunächst zwei, höchstens eventuell drei Jahre, kann für ein Promotionsvorhaben durchaus zu knapp sein, zumal offenbar noch Lehrverpflichtungen von immerhin sechs SWS hinzutreten. Diesbezüglich kommt es freilich darauf an, wie lange die Stelle im Exellenz-Cluster besetzt werden könnte.

Entscheidend können sicherlich auch Ihre Karrierepläne sein. Die Pflichtlehre von sechs SWS könnte insofern nur Relevanz haben, falls Sie im Bereich der Wissenschaft reüssieren wollten. Andernfalls kann eine interdisziplinäre Tätigkeit vorzugswürdig sein. Letzteres kann aber trotz einer Weiterverfolgung der Karriere im Wissenschaftsbereich ebenfalls eine Rolle spielen. Denn Interdisziplinarität, gepaart mit einer Stelle in einem Exellenz-Cluster kann sich freilich als sehr attraktiv für spätere Arbeitgeber sowohl in- als auch außerhalb der Wissenschaft erweisen.