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Gehalt wissenschaftlicher Mitarbeiter - Was verdienen wissenschaftliche Mitarbeiter?

von Anke Wilde

Wissenschaftliche Mitarbeiter sind in einem Angestelltenverhältnis an einer Universität oder Forschungseinrichtung tätig, und ihr Gehalt ist tariflich festgelegt. Das Gehalt wissenschaftlicher Mitarbeiter richtet sich nach der einschlägigen Berufserfahrung. Dafür sehen die Tarifverträge für den öffentlichen Dienst Erfahrungsstufen vor. Wer einen Wechsel an eine andere Einrichtung plant, sollte überprüfen, ob sich dieser Wechsel negativ auf das Gehalt auswirken kann.

Gehalt Wissenschaftlicher Mitarbeiter – Was verdienen wissenschaftliche Mitarbeiter? © sör alex - photocase.com Auch die Sonderzahlung ist abhängig von Entgeltgruppe und Erfahrungsstufe

Welche Tarifverträge regeln das Gehalt für wissenschaftliche Mitarbeiter an Unis und Forschungsinstituten?

Wissenschaftliche Mitarbeiter arbeiten meistens in einem Angestelltenverhältnis für eine Hochschule oder Forschungseinrichtung. Zu dieser großen Gruppe gehören Doktoranden und Postdocs, aber auch Nachwuchsgruppenleiter. Das Gehalt von wissenschaftlichen Mitarbeitern wird durch einen Tarifvertrag festgelegt, der zwischen der öffentlichen Hand als Arbeitgeber und den Gewerkschaften ausgehandelt wurde. Das ist entweder der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD), der für den Bund und die Kommunen gilt, oder der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L). Ein Sonderfall ist Hessen, das nicht Mitglied der Tarifgemeinschaft der Länder ist und mit den Gewerkschaften einen eigenen Tarifvertrag abgeschlossen hat, den TV-H. Nach welchem Tarif eine Einrichtung zahlt, steht in der Stellenausschreibung. An den Hochschulen gilt immer der TV-L bzw. TV-H. Bei den außeruniversitären Forschungseinrichtungen kommt es auf deren Finanzierung durch den Bund oder das Land an, ob ein wissenschaftlicher Mitarbeiter nach TV-L, TV-H oder nach TVöD bezahlt werden. Neben den angestellten wissenschaftlichen Mitarbeitern gibt es an Universitäten und Forschungseinrichtungen die Position des Akademischen Rats, die vor allem Habilitierenden vorbehalten ist. Dabei ist der wissenschaftliche Mitarbeiter in einem zumeist befristeten Beamtenverhältnis tätig und wird gemäß Bundesbesoldungsgesetz und den jeweiligen Landesbestimmungen nach der Besoldungsgruppe A 13 vergütet.

Welche Entgeltgruppen gibt es für wissenschaftliche Mitarbeiter?

In allen drei Tarifverträgen des öffentlichen Diensts sind je nach Qualifizierung der Mitarbeiter 15 Entgeltgruppen vorgesehen. Wissenschaftliche Mitarbeiter an Hochschulen und Forschungseinrichtungen werden nach den Entgeltgruppen 13 bis 15 bezahlt. Doktoranden und Postdocs werden normalerweise in der Entgeltgruppe 13 eingestuft. Nachwuchs- und Forschungsgruppenleiter, die eine höhere Verantwortung tragen, werden dagegen eher den Entgeltgruppen 14 oder 15 zugeordnet.

Wie hoch ist das Gehalt von wissenschaftlichen Mitarbeitern?

Die Tarifverträge für den öffentlichen Dienst werden zwischen den Arbeitgebern und den Gewerkschaften regelmäßig neu verhandelt. Dabei geht es insbesondere um Gehaltserhöhungen. So ist für den TV-L für 2017 eine neue Tarifrunde vorgesehen. Das jeweilige Gehalt gilt für eine volle Stelle, das heißt, das Bruttogehalt für eine halbe Stelle ist nur halb so hoch.

Gehalt von wissenschaftlichen Mitarbeitern an Einrichtungen von Bund und Kommunen: TVöD
  Erfahrungs- stufe 1 Erfahrungs- stufe 2 Erfahrungs- stufe 3 Erfahrungs- stufe 4 Erfahrungs- stufe 5 Erfahrungs- stufe 6
Quelle: www.bmi.bund.de, Tabelle: academics.de
E13 3.573,37 € 3.963,48 € 4.175,38 € 4.586,64 € 5.159,99 € 5.396,82 €
E14 3.876,23 € 4.299,99 € 4.549,26 € 4.923,20 € 5.496,55 € 5.808,12 €
E15 4.280,05 € 4.748,72 € 4.923,20 € 5.546,38 € 6.020,00 € 6.331,60 €

Gehalt von wissenschaftlichen Mitarbeitern in allen Bundesländern außer Hessen: TV-L
  Erfahrungsstufe 1 Erfahrungsstufe 2 Erfahrungsstufe 3 Erfahrungsstufe 4 Erfahrungsstufe 5
Quelle: www.tdl.online.de, Tabelle: academics.de
E13 3.438,28 € 3.816,32 € 4.019,89 € 4.415,39 € 4.415,39 €
E14 3.729,09 € 4.136,20 € 4.374,67 € 4.735,28 € 5.287,81 €
E15 4.118,75 € 4.566,61 € 4.735,28 € 5.334,35 € 5.788,02 €

Gehalt von wissenschaftlichen Mitarbeitern in Hessen: TV-H
  Erfahrungsstufe 1 Erfahrungsstufe 2 Erfahrungsstufe 3 Erfahrungsstufe 4 Erfahrungsstufe 5
Quelle: www.verwaltung.hessen.de, Tabelle: academics.de
E13 3.522,61 € 3.912,03 € 4.121,70 € 4.529,07 € 5.092,21 €
E14 3.822,16 € 4.241,51 € 4.487,14 € 4.858,56 € 5.427,70 €
E15 4.223,54 € 4.684,84 € 4.858,56 € 5.475,62 € 5.942,92 €

Was sind Erfahrungsstufen?

Innerhalb jeder Entgeltgruppe wird nach der einschlägigen, das heißt für die jetzige Tätigkeit relevanten Berufserfahrung unterschieden. Beim TV-L und beim TV-H gibt es fünf Erfahrungsstufen mit jeweils wachsenden Stufenlaufzeiten, beim TVöD sind es sogar sechs Stufen. Die Erfahrungsstufe 1 ist den Einsteigern in die jeweilige Entgeltgruppe vorbehalten. Die Stufe zwei erreichen wissenschaftliche Mitarbeiter bereits nach einem Jahr, das jedoch durchweg mit einem einzigen Arbeitsvertrag gemeistert werden muss. In die Stufe 5 gelangen wissenschaftliche Mitarbeiter hingegen erst nach zehn Jahren.

Erfahrungsstufen in den Tarifverträgen und wann wissenschaftliche Mitarbeiter sie erreichen
Erfahrungsstufen für wissenschaftliche Mitarbeiter Berufserfahrung im Rahmen der Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter
Stufe 1 Einsteiger
Stufe 2 1 Jahr
Stufe 3 3 Jahre
Stufe 4 6 Jahre
Stufe 5 10 Jahre
Stufe 6 (nur TVöD) 15 Jahre

Was passiert bei einem Wechsel in eine höhere Entgeltgruppe?

Wenn Wissenschaftler beispielsweise als Nachwuchsgruppenleiter ein Projekt mit mehr Forschungsverantwortung übernehmen, werden sie in der Regel auch in eine höhere Entgeltgruppe eingestuft. Dabei ist es theoretisch möglich, dass ein wissenschaftlicher Mitarbeiter ein geringeres Gehalt erhält als zuvor, weil er dann eigentlich wieder mit der Erfahrungsstufe 1 anfangen müsste. In den Tarifverträgen ist aber festgelegt, dass dieser Fall nicht eintreten soll, sondern der Übergang erfolgt in eine höhere Erfahrungsstufe mit mindestens dem gleichen Gehalt.

Welche zusätzlichen Leistungen gibt es zum Gehalt von wissenschaftlichen Mitarbeitern?

Wissenschaftliche Mitarbeiter sind Angestellte des öffentlichen Diensts, und damit sieht ihr Tarif auch eine Jahressonderzahlung vor. Diese löst das frühere Urlaubsgeld und das Weihnachtsgeld ab. Die Sonderzahlung beträgt zwischen 33 und 60 Prozent des durchschnittlichen Monatsgehalts, je nach Entgeltgruppe und Erfahrungsstufe. Unterschiede gibt es auch zwischen den alten oder neuen Bundesländern. Auch zusätzliche Leistungsentgelte können wissenschaftlichen Mitarbeitern gezahlt werden, beispielsweise wenn sie bei der Einwerbung von Drittmitteln besonders erfolgreich waren. Allerdings sind diese Zuschläge je nach Bundesland mal mehr, mal weniger gebräuchlich. Eine Kinderzulage sieht allein der TV-H vor - ein Überbleibsel aus dem Bundesangestelltentarif BAT, das im TVöD und im TV-L abgeschafft worden ist.

Was passiert mit meiner Erfahrungsstufe bei einem Wechsel der Forschungseinrichtung?

Wenn wissenschaftliche Mitarbeiter an eine andere Hochschule oder Forschungseinrichtung wechseln, fangen sie hinsichtlich seiner Erfahrungsstufe nicht wieder von vorne an. Die einschlägige Berufserfahrung und damit auch ihre bisherige Stufenlaufzeit wird ihnen in der Regel anerkannt. Dies muss jedoch beantragt werden. Falls der neue Arbeitgeber ein besonderes Interesse hat, genau diesen Wissenschaftler einzustellen, kann er womöglich sogar eine höhere Einstufung aushandeln oder auch einen früheren Wechsel in eine höhere Erfahrungsstufe. Dennoch kann es bei einem Wechsel zwischen den unterschiedlichen Tarifverträgen und Erfahrungsstufen auch zu Lohneinbußen kommen. Bevor man also zu einem anderen öffentlichen Arbeitgeber wechselt, sollte man sich vorab darüber informieren, wie sich dieser Wechsel auf das Gehalt auswirken wird.

Was passiert mit meiner Erfahrungsstufe, wenn ich ins Ausland gehe, zwischenzeitlich aussetze oder nicht angestellt bin?

Die Forschungstätigkeit bringt es mit sich, dass wissenschaftliche Mitarbeiter für einige Zeit ins Ausland gehen oder sich über ein Stipendium finanzieren. Dabei gilt: Einschlägige Berufserfahrungen an einer Forschungseinrichtung im Ausland werden den Wissenschaftlern in der Regel anerkannt, sofern sie dort einen Anstellungsvertrag hatten. Zeiten als Stipendiat hingegen gelten nur als "förderlich" - sie können, müssen aber nicht als Berufserfahrung gewertet werden. Mutterschutzzeiten, bezahlte Urlaubszeiten und Arbeitsunfähigkeit bis maximal 39 Wochen werden nach den Tarifverträgen nicht als Unterbrechung der Stufenlaufzeit angesehen. Die Elternzeit hingegen schon: Wer die wissenschaftliche Tätigkeit aussetzt, um sich dem neu geborenen Kind zu widmen, kann diese Zeit nicht für die nächste Erfahrungsstufe geltend machen. Wenn ein wissenschaftlicher Mitarbeiter für mehrere Jahre aussetzt oder für einen nicht-öffentlichen Arbeitgeber tätig wird, muss er sogar mit einer Rückstufung und damit einer Minderung des Gehalts rechnen. Die Tarifverträge sprechen dabei von "schädlichen Unterbrechungen".

academics :: 02.03.2017