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Wie realisiere ich eine wissenschaftliche Karriere in der Germanistik?

Wie realisiere ich eine wissenschaftliche Karriere in der Germanistik?© misterQM - Photocase.com

Ich bin promovierter Germanist und versuche, bei meinem Einstieg ins Berufleben zweigleisig zu fahren. Ich habe mit "summa" abgeschlossen, einen Lehrauftrag durchgeführt, habe aber ansonsten nicht publiziert. Meine Bewerbungen auf Juniorprofessuren bzw. wissenschaftliche Mitarbeiterstellen waren bis jetzt alle erfolglos.

Parallel dazu habe ich mich in der Wirtschaft beworben; im Verlagswesen und im Bildungsbereich (Lektorat und Redaktion) sowie im Bereich E-Learning; bis auf eine derzeitige regelmäßige freie Mitarbeit bei einem kleinen Verlag ohne Erfolg. Mein Problem ist meine mangelnde praktische Berufserfahrung; abgesehen von meiner freien Mitarbeit habe ich eine Weiterbildung zum Wissenschaftsredakteur inklusive Praktikum absolviert.

Meine Erfahrung zur Zeit ist, dass ich weder einen Job noch ein Volontariat bekomme. Nach wie vor kann ich mir eine Anstellung vor allem zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter vorstellen. Leider gibt es im Bereich Germanistik nur sehr wenige Ausschreibungen, auf die dann entsprechend viele Bewerber kommen.

Nun zu meiner Frage: Macht es Ihrer Ansicht nach in meiner Situation überhaupt noch Sinn, den Einstieg in die Wissenschaft weiter zu versuchen? Gibt es irgendwelche Alternativen zu den Ausschreibungen; andere Anlaufpunkte (Initiativbewerbungen sind im universitären Bereich ja nicht üblich)? Gibt es eine Alternative zum DAAD (der ja fast immer den Hintergrund Deutsch als Fremdsprache, also Lehrerquailfikationen verlangt? Könnte ich über meine Dissertation, die 2011 erscheint, noch irgendwelche Hebel in Bewegung setzen? Können Sie mir vielleicht noch einen Bereich in der Wirtschaft nennen, in dem Germanisten (meine weiteren Fächer sind Anglistik und Philosophie) zur Zeit Fuß fassen könnten?

Die Antwort des DHV-Expertenteams: Es fällt offen gestanden an dieser Stelle schwer festzustellen, ob sich für Sie konkret ein Einstieg in die Wissenschaft ergeben könnte. Bitte berücksichtigen Sie aber grundsätzlich, dass unbefristete Stellen im sogenannten wissenschaftlichen Mittelbau (das heißt unterhalb der Professur) die absolute Ausnahme an der Universität darstellen. Insoweit handelt es sich bei wissenschaftlichen Mitarbeiterstellen immer um Qualifikationsstellen, die regelmäßig mit der Habilitation verbunden sind. Die Habilitation stellt sich in den Geisteswissenschaften nach wie vor regelmäßig als "das große Werk" (Opus magnum) dar und ist nach wie vor die traditionelle Berufungsvoraussetzung für eine Universitätsprofessur. Insoweit sollten Sie konkret eruieren, ob ein derartiger Qualifikationsweg als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Sie in Betracht kommt.

Nach unserem Dafürhalten werden die Berufsaussichten für habilitierte Germanisten außerhalb der Universität eher schlechter aufzufassen sein als für "nur" promovierte Germanisten. Hier könnte Ihnen leicht der Vorwurf einer Überqualifikation gemacht werden. Außerdem gilt es in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen, dass Sie für die Habilitation regelmäßig zumindest fünf Jahre werden aufwenden müssen.

Unabhängig von dieser Problematik einer weiteren wissenschaftlichen Karriere ist festzustellen, dass nur ein kleiner Bruchteil der Germanisten im eigenen Fachgebiet arbeitet. Eine Vielzahl der Absolventen wird in anderen Arbeitsbereichen tätig. Hier wird es allerdings für einen erfolgreichen Seiteneinstieg auf den Erwerb von nachhaltigen Zusatzqualifikationen ankommen. Dies wird man bei Ihnen unzweifelhaft annehmen können. Allerdings hat sich aufgrund der wirtschaftlichen Gesamtsituation natürlich auch die Arbeitsmarktsituation im Printbereich deutlich verschlechtert.

Auf der anderen Seite sind Germanisten regelmäßig durch multiple Schlüsselqualifikationen, wie beispielsweise Sprachgewandtheit, Integration und abstraktes Denken, qualifiziert, die einen Berufseinstieg außerhalb des eigenen Faches ermöglichen. Unabhängig davon sind Initiativbewerbungen im Kontext wissenschaftlicher Mitarbeiterstellen durchaus denkbar. Allerdings ist es natürlich grundsätzlich hilfreich, wenn Sie die entsprechende Professorin oder den entsprechenden Professor bereits persönlich kennengelernt haben. Um hier sämtliche Ausschreibungen im Bereich der Germanistik/Geisteswissenschaften zu sichten, würden wir Ihnen im Bedarfsfalle den Bezug des Ausschreibungsdienstes des Deutschen Hochschulverbandes empfehlen.
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