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Zur Promotion nach Deutschland

Von Ute Zauft

Immer mehr Studenten aus aller Welt entscheiden sich für eine strukturierte Promotion in Deutschland, und das aus guten Gründen: An fast allen Graduiertenschulen kann man seinen Abschluss inzwischen auf Englisch machen, die Finanzierung der Promotion ist oft einfacher als in anderen Ländern, und die Nachwuchswissenschaftler genießen an deutschen Universitäten besondere Anerkennung. Drei internationale Doktoranden berichten über ihre Promotion in Deutschland.

Nicolas Huot kann sich noch gut an die Auswahlgespräche in Berlin erinnern: "Es war fast genauso kalt, wie zu Hause in Kanada!", sagt der 25-Jährige und muss lachen. Am zweiten Tag der Gespräche sollten alle Bewerber den Professoren der Auswahlkommission ihre bisherige Arbeit vorstellen. Der junge Biologe aus Québec erzählte voller Begeisterung, worüber er für seine Masterarbeit geforscht hatte. Nach dem offiziellen Teil kam sein späterer Betreuer auf ihn zu und führte mit ihm ein Fachgespräch, das bis spät in den Abend ging. Das hat den Kanadier beeindruckt: Nicolas Huot hatte von Anfang an das Gefühl, als Wissenschaftler ernst genommen zu werden. An der Berlin-Brandenburg School for Regenerative Therapy arbeiten Mediziner, Biologen und Ingenieure daran, menschlichen Muskeln nach einer OP zu einer möglichst schnellen Regeneration zu verhelfen. Nicolas Huot führt im Labor Versuche durch, deren Ergebnisse anschließend von Medizinern in die Praxis umgesetzt werden.

Die Forschungsbedingungen überzeugen

Zuhause in Québec hatte der Biologe einen Newsletter von der Graduiertenschule in Berlin gelesen und gleich im Internet recherchiert. "Mir war relativ schnell klar, dass ich hier großartige Forschung betreiben kann", erinnert er sich. Vor allem hat es ihn gereizt, dass in dem Programm Forscher verschiedener Fachrichtungen zusammenarbeiten. "Man bekommt eine neue Perspektive auf ein Problem und neue Ideen, um es zu lösen." Zudem arbeitet er in Deutschland in einem Bereich, der noch relativ unerforscht ist. "Mir ist es wichtig, möglichst schon während der Promotion Forschungsergebnisse zu publizieren, um mir als Wissenschaftler einen Ruf zu erarbeiten." In Berlin sieht er hier gute Chancen.

Tatsächlich hätte der Kanadier auch die Möglichkeit gehabt, in den USA zu promovieren. "Die Universität, die ich fachlich interessant fand, hätte allerdings meinen Masterabschluss aus Québec nicht anerkannt, das heißt ich hätte zwei Jahre länger gebraucht als hier." In Deutschland kann er seine Promotion innerhalb von drei Jahren abschließen.

Breit gefächertes Lehrprogramm

Rumin Luo ist Sozialwissenschaftlerin und hat sich lange nicht mehr so viel mit Zahlen beschäftigt, wie in Deutschland. Die Chinesin studiert seit September an der Bielefelder Graduate School in Sociology and History. Einmal in der Woche nimmt sie an einem Colloquium für quantitative Methoden teil: Professoren und Studenten diskutieren an Fallbeispielen, wie Zahlen und Daten sinnvoll zu erheben und zu analysieren sind. "In der kurzen Zeit, die ich hier bin, habe ich bereits enorm viel für meine eigene Dissertation gelernt", sagt die 28-Jährige aus Peking. Sie schreibt über Migration in China, und bisher gibt es kaum empirische Analysen zu diesem Thema. Strukturierte Promotionsprogramme bieten eine bestimmte Anzahl von Seminaren, die die Doktoranden gemeinsam absolvieren. Neben fachlichen Inhalten stehen dabei Schlüsselkompetenzen wie Präsentationstechniken oder wissenschaftliches Schreiben auf dem Programm.

Weiche Landung in einem fremden Land

Ihr Bewerbungsgespräch konnte die junge Chinesin von Peking aus führen - per Videokonferenz. Sie wusste damals schon, dass sie in Deutschland keine Studiengebühren würde zahlen müssen. Mit Erfolg hat sie sich dann noch um eines der Stipendien beworben, das die Graduiertenschule speziell für internationale Studenten ausschreibt. Ganz einfach fiel der Chinesin die Entscheidung nach Deutschland zu gehen dennoch nicht, und auch ihre Eltern waren skeptisch: "Frauen in meinem Alter in China heiraten eigentlich und bekommen Kinder", erklärt sie - halb ernst, halb lachend. Umso wichtiger war es, dass sie in Bielefeld eine weiche Landung hatte. In den ersten Monaten stand ihr eine Mitdoktorandin als Mentorin zur Seite. Sie erklärte ihr alles Notwendige an der Uni, begleitete Rumin Luo aber auch zum Einwohnermeldeamt. Und: Sie zeigte ihr den Asia Shop in Bielefeld. "Ich hatte vorsichtshalber ein paar spezielle Soßen in den Koffer gepackt, aber die wichtigsten Sachen bekommt man sogar hier!"

Probleme mit dem Essen hat Bruno Benedetti keine: "Hier gibt es so viele Italiener und die Pizza schmeckt tatsächlich ganz gut!" Bruno Benedetti kommt aus Italien und hat in Genua seinen Master in Mathematik gemacht. Auch er hatte überlegt, zum Promovieren in die USA zu gehen oder nach Frankreich. Doch die New Yorker Universität wollte, dass er bei ihnen seinen Masterabschluss wiederholt, und für Frankreich hätte er einen Sprachtest bestehen müssen - auf Französisch. "Hier in Berlin konnte ich direkt mit der Forschung anfangen", erzählt der 26-Jährige. Sein Professor an der Berlin Mathematical School nimmt sich jede Woche eine Stunde Zeit, um mit ihm seine Arbeit zu besprechen. Bruno weiß den direkten Zugang zu seinem Betreuer sehr zu schätzen, in Italien sei das Verhältnis zwischen Studenten und Professoren sehr viel hierarchischer. Entscheidend war für ihn auch die Frage der Finanzierung: Mit der Aufnahme an der Graduiertenschule erhielt er auch ein Stipendium für seinen Lebensunterhalt.

Internationale Zukunft

Die USA hat Bruno Benedetti auch heute noch im Blick: Mit seiner Promotion in Deutschland errechnet er sich gute Chancen auf eine Stelle an einer US-amerikanischen Hochschule. Alternativ möchte er in der freien Wirtschaft arbeiten, entweder in den USA oder in Deutschland.

Quelle: academics

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